Umsetzungsstrategie

Gemäß Landesnaturschutzgesetz ist der Fachplan Landesweiter Biotopverbund einschließlich Generalwildwegeplan die Grundlage für die Schaffung des Biotopverbunds in Baden-Württemberg. Bundes- und Landesnaturschutzgesetze geben für die Umsetzung einige Vorgaben:

• Die erforderlichen Kernflächen, Verbindungsflächen und Verbindungselemente sollen durch planungsrechtliche Festlegungen, durch langfristige vertragliche Vereinbarungen oder andere geeignete Maßnahmen rechtlich gesichert werden, um den Biotopverbund dauerhaft zu gewährleisten. Die planungsrechtliche Sicherung soll über die Regionalpläne und die Flächennutzungspläne erfolgen.

• Die zuständigen Behörden müssen bei raum bedeutsamen Planungen und Maßnahmen bei der gesetzlich vorgeschriebenen Abwägung der öffentlichen Belange bei Eingriffen in Natur und Landschaft den Fachplan Landesweiter Biotopverbund und die festgelegten Korridore des Generalwildwegeplans berücksichtigen.

• Die im Fachplan Landesweiter Biotopverbund dargestellten Biotopverbundelemente sollen durch Biotopgestaltungsmaßnahmen und durch Kompensationsmaßnahmen ergänzt werden. Im Rahmen der Modellregion Biotopverbund Markgräflerland MOBIL wurden die verschiedenen Planungen und Modelle zum Biotopverbund abgeglichen und harmonisiert.


Kernflächen entwickeln und optimieren


In den Kernflächen Tüllinger Berg und am Schönberg, im Naturschutzgebiet Berghauser Matten, konnte ein Teil des Bestandes der Streuobstbäume durch Revitalisierungsschnitte und Nachpflanzungen gesichert werden. Zudem wurden Nisthilfen für Fledermäuse angebracht, um die Bestandsdefizite im Streuobst abzumildern. Ein Leitbild für die Streuobstwiesen aus Sicht der Fledermäuse und des Wiedehopfes wurde erarbeitet und steht nun für die Qualifizierung der Akteure und Interessierten zur Verfügung.

Am Tüllinger Berg wurden interessierte Bewirtschafter für eine optimale Bewirtschaftung der Flachlandmähwiesen beraten und Habitataufwertungen für verschiedene Vogelarten durchgeführt. Die Besitzer von Gartenanlagen am Tüllinger Berg wurden über die Möglichkeiten für eine naturnahe Gestaltung ihrer Gärten informiert, dazu wurde ein Faltblatt entwickelt und ausgegeben.


Lebensraumkorridore modellhaft entwickeln

Die Entwicklung der Lebensraumkorridore beinhaltet meist drei Schritte. Zuerst wird für ausgewählte Zielarten wie z.B. die Wildkatze ein integratives Leitbild entwickelt. Um möglichst vielen Tierarten mit Hilfe von Lebensraumkorridoren eine Möglichkeit zur Ausbreitung oder zum genetischen Austausch zu geben, sind die Lebensraumkorridore oft halboffen ausgestaltet. Den gehölzgebundenen Arten wie Wildkatze und Haselmaus werden ausreichende Deckungs- und Leitstrukturen zur Verfügung gestellt, gleichzeitig profitieren von den lichteren Bereichen viele Tier- und Pflanzenarten des Offenlandes.

Im zweiten Schritt wird die ökologische Bandbreite eines Lebensraumkorridors erweitert. So können artenreiche Wiesen und Saumflächen die Gehölze ergänzen und geben auch den Arten des Offenlandes die Möglichkeit, sich entlang der Lebensraumkorridore auszubreiten. Fledermäuse wie die Wimperfledermaus nutzen die Strukturen der Gehölze, um sich mittels ihres Echoortungssystems zu orientieren, und jagen die aus den Säumen und Wiesen aufsteigenden nachtaktiven Insekten wie z.B. Nachtfalter.

Dann werden die Hindernisse und Barrieren, wie z.B. Straßen oder Bahntrassen, die jeden längeren Lebensraumkorridor zerschneiden und oft zu einer hohen Mortalität der Tierarten führen, identifiziert und Maßnahmen zur Abhilfe geprüft.
Jede Maßnahme zur Ausgestaltung des Lebensraumkorridors oder zu Minderung von Gefährdungen verbessert seine Verbundfunktion. Die zeitliche Dimension zur vollständigen Realisierung eines Lebensraumkorridors liegt bei 10 bis 20 Jahren.


Lebensraumkorridore

– Langer Atem ist notwendig

• Umsetzung von kurzfristig umsetzbaren Gestaltungsmaßnahmen, die sich bei Flächenverfügbarkeit aus dem Leitbild ableiten lassen. Beispiele: Feldhecken mit Säumen, Sukzessions- oder Brache- streifen, Revitalisierung und Nachpflanzung von Streuobst, mehrjährige Blühstreifen, Umstellung der Pflege von Flächen, wie z.B. Böschungspflege, Anlage von Trüffelbiotopen.

• Umsetzung von kurzfristig durchführbaren Maßnahmen zur Wiedervernetzung, z.B. Entfernung von Zäunen, mobile Amphibienleiteinrichtungen.

• Planung aufwändigerer Maßnahmen zur Wiedervernetzung wie z.B. die Entsiegelung von Unterführungen der Eisenbahn oder der BAB 5 oder der Bau von Bermen an Fließgewässern, die Hindernisse unterqueren.

• Konzeption sehr aufwändiger Maßnahmen an Barrieren wie z.B. Grünbrücken, Landschaftsbrücken, Umgestaltung von Infrastruktureinrichtungen, Überquerungshilfen für Fledermäuse.

• Beratende Begleitung von Planungen und Baumaßnahmen anderer Träger im Lebensraumkorridor.

 
Akteure gewinnen und qualifizieren

Um den Biotopverbund zu etablieren und langfristig zu erhalten, ist die Einbeziehung lokaler Akteure von großer Bedeutung. Durch die Maßnahmen soll nicht nur ein naturschutzfachlicher Mehrwert, sondern auch ein Mehrwert für die Akteure geschaffen werden. Die Fachwarte für Obst und Garten erhalten eine solide Ausbildung, nach der sie selbständig einen Obstbaum schneiden können und Grundlegendes zur heimischen Natur und zum Biotopverbund im Markgräflerland erfahren. Neu gewonnene Engagierte werden in eine aktive Gruppe des Naturschutzbundes NABU eingebunden, Nisthilfen werden gebaut, Grundstücksbesitzer beraten, bei Erfolg können Jungvögel von Wiedehopf und Steinkauz beringt werden. Das Trinationale Umweltzentrum TRUZ wurde im Laufe des Projektes zum Kümmerer um viele Naturschutzbelange am Tüllinger Berg und seiner Umgebung. Kommunen und Planungsbüros haben wertvolle Hinweise und Unterlagen für das kommunale Ökokonto erhalten. Landwirte wirken bei produktionsintegrierten Maßnahmen und der Anlage von Biotopen mit und erhalten für ihren Beitrag zum Biotopverbund Wertschätzung.

Die Maßnahmen in der Modellregion sind in vier Handlungsfelder unterteilt, die gemeinsam für eine Verbesserung des Biotopverbundes in der Region Markgräflerland sorgen.

Wie wird das Projekt MOBIL fortgeführt?

Die Betreuung der Schutzgebiete durch das Regierungspräsidium Freiburg und die Landkreise Breisgau-Hochschwarzwald und Lörrach ist gesetzlich geregelt und besteht damit weiterhin. Diese vergeben unter anderem in Kooperation mit den Landschaftserhaltungsverbänden Pflegeaufträge für die Biotopbereiche. Mit 12 Millionen Euro fördert das Land Baden-Württemberg ab 2020 den Ausbau des Biotopverbundes zur Umsetzung mit den Kommunen vor Ort. Hierfür erhalten die Landschaftserhaltungsverbände jeweils eine zusätzliche Personalstelle, diese ist derzeit auf fünf Jahre begrenzt.

Am FVA-Wildtierinstitut ist eine landesweit zuständige Fachstelle zur Umsetzung des Generalwildwegeplans eingerichtet. Neben der wissenschaftlichen Tätigkeit und Begleitung großer raumwirksamer Eingriffe kann in Einzelfällen fachliche Unterstützung bei komplexen Fragestellungen in Bezug auf die Wildtierkorridore und Wiedervernetzung geleistet werden.

Das Engagement des Trinationalen Umweltzentrums e.V. TRUZ, des NABU Nördliches Markgräflerland e.V. und der Fachwartvereinigung Markgräflerland e.V. sind auf Dauer angelegt. Sie sind wichtige Ansprechpartner, übernehmen für das Regierungspräsidium und die Kommunen Aufgaben. Sie können zudem weitere Engagierte qualifizieren.

Den Unteren Naturschutzbehörden der Landratsämter Breisgau-Hochschwarzwald und Lörrach sowie der Stadt Freiburg wurde auf ihre Bewerbung hin eine Stelle für den regionalen Biotopverbund Südbaden durch das Umweltministerium bewilligt, deren Finanzierung bis Ende 2023 zugesagt ist. Damit soll auch ausdrücklich das Projekt MOBIL fortgeführt und weiterentwickelt werden. Ziele des Projektes sind eine landkreis- und gemarkungsübergreifende Umsetzung von Maßnahmen zur Stärkung des regionalen Biotopverbunds und die Förderung der biologischen Vielfalt in der Region. Es sollen ökologische Aufwertungen sowohl in der Agrarlandschaft als auch in den urbanen Räumen der Städte und Gemeinden umgesetzt werden.