Lebensraumkorridor vom Schwarzwald bei Sulzburg in den Rheinwald bei Grißheim

Einer der wichtigsten regionalen Lebensraumkorridore für waldgebundene Tierarten im Projektgebiet verbindet den Schwarzwald bei Sulzburg mit dem Rheinwald nördlich Grißheim. Allerdings bietet dieser Korridor mit seinen vielfältigen Strukturen auch zusätzlich vielen Arten des Offenlandes wichtige Lebensräume. Auf dem etwa noch 500 Meter breiten Korridor sollen durch eine Kombination von Maßnahmen Wanderungen von Arten wie der Wildkatze ermöglicht werden. Die Zielart Wildkatze nutzt bereits die Waldbereiche im Rheinwald und breitete sich in den letzten Jahren immer weiter nach Osten in die Vorbergzone aus, so dass sie auch schon am östlichen Ende des Lebensraumkorridors nachgewiesen werden konnte. Totfunde der Wildkatze und weiterer mobiler Säuger entlang der Straßen weisen darauf hin, dass zerschneidungs- und störungssensible Arten noch oder wieder versuchen, die Markgräfler Rheinebene zu queren, weshalb der Lebensraumkorridor optimiert und die Landschaft durchlässiger werden soll. Entlang dieses 500 Meter breiten Bandes sollen Leitstrukturen und Versteckmöglichkeiten entwickelt und bestehende Biotope aufgewertet und gesichert werden. Eine landwirtschaftliche Nutzung auf den Korridorflächen ist weiter möglich und vorgesehen.

Der Lebensraumkorridor beginnt am Rande des Schwarzwaldes südlich von Sulzburg und zieht durch die lössbedeckte Vorbergzone nach Westen. Auf Sulzburger Gemarkungen bieten einige artenreiche Streuobstwiesen Deckungs- und Leitstrukturen. Anschließend prägen Weinberge mit schmalen Feldhecken auf Dottinger Gemarkung den Korridor, bis er entlang der Grenze der Gemarkungen Heitersheim und Buggingen durch den Ruschgraben führt. In der Talsohle des Ruschgrabens befinden sich einige Wiesenflächen mit Gehölzen feuchter Standorte, auf den Böschungen bieten gut miteinander vernetzte Feldhecken und Feldgehölze weitere Leitstrukturen. Je näher der Ruschgraben der Oberrheinebene kommt, desto mehr nehmen die Streuobstwiesen zu und desto breiter wird der Gesamtkomplex. An der Hangkante gibt es in beide Richtungen gute Verbundstrukturen Richtung Heitersheim und Buggingen. Im Rahmen des Projektes MOBIL wurden Streuobstbestände in diesem Gebiet durch die Fachwartvereinigung revitalisiert.

Der Lebensraumkorridor wird zwischen Heitersheim und Seefelden in der Markgräfler Rheinebene durch die Bundesstraße 3 und die Rheintalbahn, die dort auf einem Damm liegt, zerschnitten. Außer dem sehr schmalen Ruschgraben und einem Feldgehölz sind in diesem Abschnitt nur wenige Strukturelemente vorhanden. Unter der Rheintalbahn verläuft ein schmaler, asphaltierter Landwirtschaftsweg. Aktuell ist diese Unterquerung für den Biotopverbund nicht funktional und muss aufgewertet werden. In größeren Abständen sind einige stark zugewachsene Personendurchgänge vorzufinden, welche auch vereinzelt von Wildtieren genutzt werden. Die Rheintalbahn und die auch nachts vielbefahrene Bundesstraße sind für wandernde Tierarten eine große Gefahrenquelle.

Das Wild, meist Reh- und Schwarzwild, wechselt im Umfeld des Gehölzes die Bundesstraße. Sinnvolle Maßnahmen zur Reduzierung von Wildunfällen wäre eine Geschwindigkeitsreduktion im betroffenen Abschnitt der Bundesstraße am Ortsausgang von Seefelden und ein Gehölzstreifen, der südlich des Gewerbegebietes Heitersheim zur Bahn verbindet. Eine Ergänzung des Gehölzstreifens durch mehrjährige Blühstreifen, Ackerbrachen und überjährige Blühflächen mit hohen Stauden, wie z.B. Sonnenblumen, würden dort zusätzlich den regionalen Biotopverbund stärken. Eine Umsetzung steht noch aus.

Westlich der Rheintalbahn liegt als wichtige Biotopverbundstruktur der Gleiskörper der ehemaligen Kalibahn, der die stillgelegten Bergwerkseinrichtungen und die Abraumhalde verbindet. Auf Gemarkung Heitersheim wurde durch Biotopaufwertungen bereits ein vorbildhafter, abwechslungsreicher halboffener Korridor geschaffen. Lichte Gehölze, Wiesenbereiche, Holz- und Steinstrukturen, Säume und Stellen mit initialer Sukzession wechseln sich ab. Auf Gemarkung Buggingen könnten die über dem Gleiskörper dichten Gehölzstrukturen durch ähnliche, nach Süden hin anschließende Maßnahmen aufgewertet werden.

Der Korridor schließt weiter nördlich die Abraumhalde Heitersheim mit ihren Gehölzstrukturen ein. Dort befindet sich auch eine Streuobstwiese, die von unserem Partner Naturschutzbund Nördliches Markgräflerland e.V. gepflegt und durch ergänzende Strukturelemente aufgewertet wird.

Diese Bereiche grenzen an den Sulzbach, welcher den Lebensraumkorridor nach Westen zum Rheinwald hin führt. Auf diesem Abschnitt liegt der Korridor im Vogelschutzgebiet „Bremgarten“. Die Flächen südlich des Sulzbaches sind vorwiegend wegen des Vorkommens von Vogelarten, die eine offene, kulissenfreie Landschaft benötigen, geschützt. Die Entwicklung des Lebensraumkorridors soll sich nicht konträr auf den Schutz dieser Vogelarten auswirken. Daher wird auf diesem Abschnitt von einer Neuanlage von Gehölzstrukturen abgesehen. Lediglich entlang schon bestehender Gehölzstrukturen sind wertgebende Ergänzungen oder Verbreiterungen angedacht.

Ungefähr 450 Meter bevor der Eschbach in den Sulzbach mündet soll die neue Bahntrasse für das 3. und 4. Gleis den Sulzbach und den Lebensraumkorridor unterqueren. Die geplante Bahnstrecke liegt in Tieflage. Für den Sulzbach war lediglich eine 35 m breite Überquerung geplant. Auf Vorschlag des Projektes MOBIL und des Regierungspräsidiums Freiburg konnte die Verlegung einer Landschaftsbrücke an den Sulzbach erreicht werden. Die Landschaftsbrücke umfasst nun den gesamten Bereich vom Eschbach bis zum Sulzbach und etwas darüber hinaus. Kernelement bildet dabei die am südlichen Ende der Brücke zu etablierenden Strukturelemente und Vernetzungsstrukturen, welche im Wesentlichen dem Charakter einer Grünbrücke entsprechen werden. Damit wird eine Migration von Wildtieren, u.a. der Wildkatze, und weiteren zerschneidungssensiblen Arten, aber auch für weniger mobile Kleintierarten ermöglicht. Der exakte Verlauf des Lebensraumkorridors in diesem Abschnitt konnte aufgrund bisher nicht abgeschlossener Planungsverfahren noch nicht festgelegt werden.

Das Beispiel des Lebensraumkorridors vom Schwarzwald bei Sulzburg in den Rheinwald bei Grißheim soll die Möglichkeiten und Schwierigkeiten für die Umsetzung von funktionsfähigen Lebensraumkorridoren und die langen Bearbeitungs- und Managementzeiträume aufzeigen.