In der Vorbergzone vom Schönberg, über Lipburger- und Eggenertal bis zum Tüllinger Berg und vereinzelt in der Rheinebene stehen schöne, aber überalterte Streuobstbestände. Diese sind Biotope höchster Artenvielfalt und bieten neben Vögeln und Fledermäusen auch zahlreichen Tier- und Pflanzenarten einen wertvollen Lebensraum. Die alten Streuobstbäume haben oft zu viele Äste, weil sie lange nicht geschnitten wurden. Bei einem Jahr mit hohem Fruchtbesatz, schneereichem Winter oder Sturm können diese auseinanderbrechen. Hier kann ein naturschutzorientierter Pflegeschnitt die Statik des Baumes wiederherstellen und das Leben um ca. zehn Jahre verlängern. MOBIL hat in Kooperation mit den Obstbauberatern der Landkreise Lörrach und Breisgau-Hochschwarzwald und dem Landesverband für Obstbau, Garten und Landschaft Baden- Württemberg e. V. 50 Fachwarte für Obst und Garten mit einem fachlichen Schwerpunkt Streuobst ausgebildet. Weitere Kurse finden statt. Die ausgebildeten Fachwarte bilden sich in der Fachwartvereinigung Markgräflerland e. V. fort und starten gemeinsame Aktionen, wie z. B. die Anlage eines Lehrgartens in Buggingen: www.fachwarte-markgraeflerland.de (Bild: © Breisinger)

 

Prämierung im EDEKA-Südwest Projekt „Streuobstwiesen pflegen wie zu Opas Zeiten“

Am 8. Oktober 2018 hat die EDEKA Südwest in Koorperation mit der Stiftung NatureLifeInternational die "Fachwartvereinigung Markgräflerland e.V." ausgezeichnet. 

"Mit der Anlage einer Streuobstwiese als Lehrgarten möchte die Fachwartvereinigung Markgräflerland e.V. in der Nähe von Buggingen traditionelle landwirtschaftliche Methoden und Naturschutz verbinden. Weiter sind die Anlagen einer Tümpelkette und der Aufbau eines Steinhaufens mit Böschung geplant. Zukünftig sollen Trüffelbäume und eine Trockenmauer als Heckensaum dienen."

 

 

Der Partner NABU-Landesverband mit seinen lokalen Untergliederungen, bringt zwei Manager zur Optimierung der Lebensbedingungen für wertgebende Vogelarten und Fledermäuse in das Modellprojekt ein. Ehrenamtliche werden im Nistkastenbau und in der Betreuung von Streuobstbeständen qualifiziert. Eine Aktion ist die Umwandlung eines ausgedienten Trafoturms in Buggingen in einen „Ökoturm“. Die Gemeinde Buggingen und der NABU haben Wohnmöglichkeiten für bedrohte Tierarten wie Turmfalke, Schleiereule, Fledermäuse und Wildbienen installiert. Flächen und Paten gesucht Steinkauz und Wiedehopf sind Zielarten, deren Ausbreitung gefördert wird. Sie stehen stellvertretend für eine Vielzahl von Lebewesen. Dazu werden weitere Flächen im Weinberg, auf Streuobstwiesen, Viehweiden oder Gerätehäuschen gesucht, auf oder in denen Nisthilfen angebracht werden können. Für diese Flächen suchen wir noch weitere Paten, die das Biotop kontrollieren, Nistkästen anbringen und säubern sowie den Kontakt zu Pächtern und Besitzern halten. Lernen Sie Naturschätze intensiv kennen. 

Kontakt: Lilly Nockemann, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! (Bilder: © Nill, © Hercher, © Gove)

 

 

Ökoturm Buggingen

Mitte letzten Jahres gestaltete die Gemeinde Buggingen, unterstützt durch das Projekt MOBIL, eine Informationsveranstaltung rund um das Thema Artenschutz. Ziel dieser Veranstaltung war es, die Bürger zum Umdenken anzuregen und ein Zeichen gegen das Vogel- und Bienensterben zu setzen. Auch ein ausgedientes Trafohäuschen kann gute Dienste leisten, wenn es darum geht, neue Lebensräume zu schaffen. Ein solcher Turm, der am südlichen Ortsrand von Buggingen steht, soll nicht abgerissen, sondern für Naturschutzzwecke umgestaltet werden. Gemeinsam mit dem Naturschutzbund wird am und im Turm eine Vielzahl an Wohnmöglichkeiten für bedrohte Tierarten angebracht. Die Infoveranstaltung sollte den Besuchern aufzeigen, was alles machbar ist, auch an ihrer eigenen Hauswand. 

Zahlreiche Naturfreunde sind dem Aufruf gefolgt. Im Hof der Pfarrscheune in Buggingen konnten sich die Besucher an den Infoständen zu verschiedenen Naturschutzthemen ausgiebig informieren. Erstmals war auch der neugegründete Verein "Fachwartvereinigung Markgräflerland e. V." dabei, der unter anderem über Obstbaumschnittkurse informierte. Experten aus der NABU-Gruppe stellten Nisthilfen vor und standen Rede und Antwort. Claudia Widder zeigte den Teilnehmern die Vielfalt der Tag- und Nachtfalter, während Frank Wichmann zur Vogelstimmenwanderung einlud und Claude Steck Interessierte zu einer spannenden Fledermausexkursion entlang der Hohlwege führte. Für Nistkästen oder Niströhren hat nicht jeder Bürger Platz, aber ein Insektenhotel, geschnitzt aus langlebigem Holz, passt auch auf den kleinsten Balkon. Eine große Auswahl davon hatte Rainer Sacker aus Hügelheim an seinem Stand. Kinder durften unter Anleitung von Laura Kritzinger kleine Holzgegenstände selber schnitzen und auch das leibliche Wohl kam dank des Männergesangvereins Buggingen nicht zu kurz. 

Nur wenige Wochen später durfte dann Umweltstaatssekretär Andre Baumann, der auf seiner Sommertour die Vielfalt der Einzelmaßnahmen des Pilotprojekts "MOBIL" in Augenschein nehmen wollte, den ersten Fledermauskasten an das Trafohäuschen aufhängen. Bevor dann weitere Brutplätze am Ökoturm bezogen werden konnten, wurde er über den Winter erst noch optisch aufgewertet. Direkt im Anschluss richtete die örtliche NABU-Gruppe den alten Trafoturm mit Nisthilfen für höhlenbrütende Singvogelarten, Fledermäuse und Wildbienen her, so dass er dann im zeitigen Frühjahr 2018 mit seiner neuen Bestimmung in Sachen Naturschutz starten konnte. 

Lilly Nockemann wird zukünftig als neue Managerin für die Optimierung der Lebensmöglichkeiten für wertgebende Vogel- und Fledermausarten das Projekt zusammen mit Christoph Hercher für den Naturschutzbund unterstützen.

 


 

Aufgrund seiner vielfältigen Landschaft und der weitgehend extensiven Nutzung sind große Bereiche des Tüllinger Berges als Vogelschutz- und Fauna-Flora-Habitat (FFH) - Gebiet ausgewiesen. Nur unter Einbezug lokaler Akteure, die den Tüllinger Berg auf vielfältige Weise nutzen, ist die Erhaltung dieses einzigarten Lebensraums langfristig realisierbar. 
Am Tüllinger Berg koordiniert das Trinationale Umweltzentrum e.V. (TRUZ) die Maßnahmen zur Erhaltung und Optimierung der Lebensräume seltener Vogelarten wie dem Wendehals, Grauspecht und Mittelspecht, die auf altholz- und strukturreiche Streuobstwiesen angewiesen sind. Weitere Zielarten des Projektes sind die Zaunammer und der Neuntöter. Durchwachsene Gebüsche aus wenigen Gehölzarten werden z. B. in blühende Wiesen umgewandelt. Besitzen oder pflegen Sie Streuobstwiesen am Tüllinger Berg? Haben oder kennen Sie Flächen, die nicht mehr bewirtschaftet werden können, wo die Streuobstbäume vom Zerfall bedroht sind? Das Trinationale Umweltzentrum e. V. (TRUZ) berät Sie zu Fördermöglichkeiten, Qualifizierungsangeboten und Baumschnittkursen und kann die Pflege von Streuobstwiesen übernehmen oder vermitteln. (Bild: © Mayer)

 


 

 

Im Naturschutzgebiet Berghauser Matten steht ein ausgeprägter Streuobstbestand auf wertvollem Grünland. Oft sind blütenreiche Flachlandmähwiesen vorhanden, die gemäht oder von Schafen beweidet werden. Der Streuobstbestand besteht überwiegend aus Kirschen mit Apfelbäumen und einigen wenigen Birnen. Auf der Rinde der Kirschbäume und einiger Salweiden, die an feuchten Stellen stehen, ist das seltene Rogers Goldhaarmoos vorzufinden, welches hier weltweit dem größten bekannten Vorkommen entspricht. Im Totholz der Streuobstbäume lebt u.a. die Larve des geschützten Körnerbocks.

Die Fachwartvereinigung Markgräflerland e.V. engagiert sich zusammen mit der Gemeinde Ebringen und dem Regierungspräsidium
Freiburg für den Erhalt und die Nachpflanzung dieses wertvollen Streuobstbestandes. Gabriel Rösch vom Regierungspräsidium, die
Gemeinde Ebringen, Andreas Breisinger und Carolin Greiner von der Fachwartvereinigung haben zusammen mit Projektmanager Markus Mayer eine Rahmenvereinbarung und Maßnahmen für 2019 vorbereitet.

Im Januar 2019 hat ein Team um Daniel Ramstein 37 Streuobstbäume vorschriftsmäßig mit Wühlmausschutzkorb, Pflanzschnitt, 2 Pflanzpfählen und Drahtschutz gegen den Verbiss von Reh und Schafen gepflanzt. Die Pflanzen wurden zudem gewässert.

Am steilen Wiesenhang wurde ein IBEX-Steillagenmäher als Transportvehikel eingesetzt. Die breiten Stachelwalzen gaben guten Griff und schonten die wertvollen Grünlandflächen.

Am 2. Februar 2019 startet die Fachwartvereinigung Markgräflerland den Revitalisierungsschnitt der alten Streuobstbäume. Die Bäume sollen statisch gesichert werden, um danach den Beanspruchungen durch Sturm, Frucht- oder Schneelast länger widerstehen zu können. Neben der Pflege der Altbestände – hier geht es darum mit wenigen Schnitten viel zu erreichen -   werden sie auch den Pflanzschnitt der neu ausgestockten Jungbäume durchführen.