Kiebitzschutz in der Agrarlandschaft – es geht nur gemeinsam

Der Kiebitz besiedelte in unserer Region einst Feuchtwiesen, Sümpfe und weitläufige Gewässerränder. In der durch moderne Landwirtschaft geprägten Landschaft des südlichen Oberrheins ist er heute fast aus-schließlich auf Ackerbrachen anzutreffen. Gerade Maisäcker, die im Frühjahr noch unbestellt sind, dienen dem Kiebitz häufig als Ausweichquartier. Eine spätere Bearbeitung der Äcker geht oft mit dem Brutabbruch der Kiebitze oder einer Zerstörung der kaum sichtbaren Nester einher und lässt seit Jahren die Bestände des Kiebitzes sinken. Viele Gelege fallen auch Beutegreifern wie dem Fuchs zum Opfer.

Historische Aufzeichnungen beschreiben eine der größten Kiebitzkolonien des Markgräflerlands im Bereich von Schmidhofen, Staufen und Gallenweiler. Hier konnten in den 1980er Jahren auf feuchten Wiesen und Äckern noch bis zu 35 Brutpaare beobachtet werden.

Trotz des ehrenamtlichen Einsatzes der NABU-Ortsgruppe Heitersheim und der Rücksichtnahme der Landwirte nahm die Zahl der Bruten drastisch bis auf wenige Brutpaare ab.

Deshalb wurden in den letzten drei Jahren in einem Pilotprojekt Methoden erprobt, um den Kiebitz in der Agrarlandschlaft zu erhalten.

Optimierung bestehender Flächen

Gemeinsam mit den Kommunen wurden Flächen ermittelt, die für den Kiebitz optimiert werden konnten. So entstand die feuchte Mulde westlich von Schmidhofen auf einer bereits bestehenden Ausgleichsfläche der Stadt Bad Krozingen. Durch das gemeinsame Interesse der Kommune und der Naturschützer am Erhalt der Kiebitze konnte so eine schnelle Lösung gefunden werden. Die feuchte Mulde mit ihrem weichen Boden ist für die Nahrungssuche ideal.

Mittlerweile entstand in deren Bereich eine eigene Kiebitzkolonie mit bis zu acht Brutpaaren. Die meisten Kiebitze brüten auf den Maisäckern in der Umgebung. Für die Entwicklung einer überlebensfähigen Kiebitzpopulation müssen noch weitere Flächen optimiert und dauerhaft gesichert werden.

Gelegeschutz - alternativlos



Schon seit vielen Jahren kümmert sich die NABU- Ortsgruppe Heitersheim um die Gelege. So markierten Ehrenamtliche die Gelege mit Stöcken und informieren die Landwirte. Der Verlust der Gelege in der Eiphase durch Bodenbearbeitung war also bereits reduziert. Diese Anstrengungen wurden durch höhere Personalressourcen verstärkt.

Welche weiteren Faktoren sind trotz der Anstrengungen für den mangelnden Bruterfolg verantwortlich? Der Fuchs und andere Prädatoren sind aus vielen Projekten mit bodenbrütenden Vogelarten als Nesträuber bekannt.

Da auf intensiv genutzten Äckern nur kleinräumige Schutzmaßnahmen in Frage kommen, wurden in Absprache mit den Landwirten, Nestschutzkörbe eingesetzt, wie sich dies in anderen Projekten bewährt hat. Die Nestschutzkörbe werden über die bereits bestehenden Gelege platziert und verhindern das Plündern der Eier oder Küken durch Fuchs, Storch oder Krähen.

Bevor ein Korb gestellt wird, überprüfen die Ornithlogen, ob ein Vollgelege vorliegt und besprechen das weitere Vorgehen mit dem Landwirt. Die Landwirte sind selbst an einem erfolgreichen Kiebitzschutz interessiert und wirken bei dieser produktionsintegrierten Maßnahme hervorragend mit. Die Naturschutzverwaltung kann den Landwirten den Mehraufwand honorieren.

Der Kiebitz fliegt nie direkt vom Gelege auf, sondern macht immer erst ein paar Schritte. Daher kann der Korb nach oben geschlossen sein. Der Fuchs kommt so weder von der Seite noch von oben an das Gelege heran. Mithilfe von Fotofallen konnte die Funktion der Nestschutzkörbe nachgewiesen und der Schlupferfolg bei Erstgelegen auf über 90% erhöht werden.

Junge Kiebitze verlassen wenige Stunden nach dem Schlupf das Gelege und damit den Schutzbereich der Körbe. Ab diesem Zeitpunkt ist in der Agrarlandschaft ein effektiver Schutz vor Prädatoren nicht mehr möglich. Maßnahmen wie beispielsweise großräumiges Einzäunen sind auch aufgrund der hohen Mobilität der Jungvögel nicht zielführend.

Die Wirkung der Prädation auf die Kiebitze muss auf lokaler Ebene verringert werden. Eine sehr gute und zielführende Kooperation mit der Hegegemeinschaft Rheintal GbR konnte im Projekt aufgebaut werden. Das Projekt stellte die moderne Ausrüstung für eine tierschutzgerechte Fallen- und Kunstbaujagd. Die Jagd auf Fuchs, Dachs, Ratten etc. konnte damit deutlich verbessert werden. Dies hilft gleichzeitig auch dem Niederwild wie z.B. Fasan und Rebhuhn.

In einer Fortsetzung des Teilprojektes wird nun versucht, weitere Flächen für den Kiebitz zu sichern und feuchte Mulden anzulegen und Störungen im Gebiet zu minimieren.

Wenn Kommune, Landwirte, Jäger, ehrenamtlicher und amtlicher Naturschutz, Landwirtschafts- und Wasserbehörden, koordiniert von einem Biodiversitätsberater, an einem Strang ziehen, kann der Schutz des Kiebitzes gelingen.