Biotopverbund im Wald

Baden-Württemberg ist mit einem Anteil von ca. 38 Prozent an der Landesfläche eines der waldreichsten Bundesländer. Der Wald ist allerdings sehr ungleichmäßig verteilt. In weiten Teilen existieren kaum noch größere zusammenhängende Waldflächen und es sind nur noch kleinere Überbleibsel der ehemals weitflächigen Wälder vorzufinden. Insbesondere ausgedehnte Siedlungsbänder, eine dichte Verkehrsinfrastruktur sowie eine intensive Landwirtschaft tragen wesentlich zur Zerschneidung bei. Auch im Wald kann die Durchlässigkeit für viele Tierarten durch Monokulturen und zu dichte Baumbestände eingeschränkt sein.

Der Schwarzwald ist Deutschlands größtes zusammenhängendes Waldgebiet, an ihn grenzt das Markgräflerland im Osten. Ohne diesen Anteil am Schwarzwald wäre der Waldanteil im MOBIL-Projektgebiet mit ca. 15 Prozent, verteilt auf die Naturräume der Markgräfler Rheinebene und des Hügellands, relativ gering. Ein Großteil der Flächen im Markgräflerland wird durch intensive Ackerfluren sowie Siedlungs- oder Gewerbeflächen geprägt. Nur vereinzelt sind noch kleinere Wälder vorzufinden. Diese Waldgebiete sind bis auf Ausnahmen von einer naturnahen Baumartenzusammensetzung und sehr strukturreich. Wälder haben beim Schutz der biologischen Vielfalt eine heraus- ragende Bedeutung und dementsprechend innerhalb von MOBIL eine zentrale Funktion. Die Art der Bewirtschaftung, die Baumarten- und Alterszusammensetzung sowie weitere Struktur- und Nutzungsparameter bestimmen die Vielfalt an Waldlebensräumen und damit die Artenvielfalt. Im Projektgebiet werden Waldflächen auf Verbundkorridoren ökologisch aufgewertet und isolierte Wälder wieder funktional miteinander verbunden. Dabei dienen vor allem der Generalwildwegeplan (GWP) und die regionalen Lebensraumkorridore als Orientierung. Durch die internationale Einbettung des GWPs innerhalb eines paneuropäischen Verbundsystems ist auch eine überregionale und grenzüberschreitende Verbindung der Flora und Fauna des Markgräflerlandes gewährleistet.

Auf den Korridoren des Markgräflerlands werden z.B. höhere Anteile an Lichtbaumarten und lichte Waldbiotope gefördert oder die Baumartenvielfalt erhöht. Diese Maßnahmen sollen zusätzlich auch die Auswirkungen des Klimawandels durch höhere Eigenanpassungsfähigkeit abmildern. Ebenso werden durch die Anreicherung des Alt- und Totholzanteils (siehe Alt- und Totholzkonzept ForstBW) neue Lebensräume für zahlreiche, oftmals gefährdete Arten geschaffen. Die Maßnahmen werden durch Absprachen mit den Försterinnen und Förstern und den zuständigen Behörden festgelegt und umgesetzt. So wurde z.B. 2016 bei Badenweiler ein Biotop in der Nähe eines Wildtierkorridors im Staatswald entwickelt, welches nun einen wichtigen Trittstein für waldgebundene Arten bildet. Über das staatliche Förderprogramm „Lichte Wälder“ von ForstBW konnten auf einer Sturmwurffläche neue Lebensräume für lichtliebende Arten geschaffen werden. Exponierte Felsen und Geröllhalden wurden vom Jungwuchs freigeräumt, ältere Habitatbäume freigestellt und stehendes und liegendes Totholz angereichert. Schon nach kurzer Zeit haben sich wieder lichtliebende Arten angesiedelt und etabliert. 

Auch in den Wäldern um Efringen-Kirchen wurden Maßnahmen auf einem Korridor des Generalwildwegeplans umgesetzt. Im Rahmen des Sonderprogramms des Landes zur Stärkung der biologischen Vielfalt „Die Wildkatze – Zielart für den Biotopverbund“ konnten Flächen aufgewertet werden. Auf dieser wichtigen Verbindung von der Rheinebene über die Vorbergzone in den Schwarzwald hinein wurden 2019 unterschiedliche Maßnahmen umgesetzt. Der Aufbau und die Entwicklung eines lichten, stufigen Waldrands und die Auflichtung durch Schaffung neuer Lücken innerhalb der Waldflächen waren die zentralen Maßnahmen. Auch die Berücksichtigung des Alt- und Totholzkonzeptes war ein wesentlicher Bestandteil der Maßnahmen. Die aufgezeigten Beispiele und gewonnenen Erkenntnisse zeigen, dass Maßnahmen im Wald, auch unter Berücksichtigung der guten forstlichen Praxis, umsetzbar und unter Einbeziehung einzelner Fachkonzepte effizient planbar sind. Nicht nur im Staatswald, sondern auch auf den kommunalen und privaten Waldflächen sind Maßnahmen für einen funktionalen Biotopverbund erforderlich.

Für den Ausbau des Biotopverbunds im Wald wäre es sinnvoll, wenn Gemeinden insbesondere das Ökokonto und Maßnahmen zum forstrechtlichen Ausgleich an den regionalen Korridoren und dem Generalwildwegplan orientieren würden. Diese könnten den Verbund der Tier- und Pflanzenwelt im Markgräflerland unterstützen und einen Beitrag zur Bewältigung der Klimawandelfolgen leisten.

Abb.: Eintönige Wälder sind aufgrund ihres geringen Nahrungs- und Nährstoffangebot für viele Arten wenig attraktive Lebensräume.

Abb.: Vielfältige, lichte Waldstrukturen mit einem hohen Totholzanteil bieten nicht nur Wildkatzen, sondern auch anderen, schützenswerten Tier- und Pflanzenarten wichtige Lebensräume.