Die Wildkatze – Zielart für den Biotopverbund

Die Wildkatze lebt als nachtaktive Einzelgängerin sehr heimlich. Zwischen Januar und Ende März findet die Paarungszeit, die sogenannte Ranzzeit, statt. Der Nachwuchs kommt im April bis Mai zur Welt, wobei die Wurfgröße meist zwischen zwei und vier Jungen liegt. Besonders während der Jungenaufzucht benötigt die Wildkatze viele ruhige Versteckmöglichkeiten. Hauptsächlich Mäuse stehen auf ihrer Speisekarte. Vereinzelt ernährt sie sich auch von Kleinvögeln oder Insekten. Da der Verlust an Lebensräumen und die Gefährdung durch den Straßenverkehr die größten Gefahren darstellen, gilt es durch Wiedervernetzungsmaßnahmen wichtige Lebensräume miteinander zu verbinden und zu erhalten. Besonders die inselartige Verbreitung und der ungünstige Lebensraumverbund führten dazu, dass der Erhaltungszustand der Wildkatze in Baden-Württemberg gemäß FFH-Richtlinie 2019 mit ungünstig-unzureichend bewertet wurde. Entsprechend ist die streng geschützte Art (BNatschG) in der Eingriffsplanung zu berücksichtigen.

Die Wildkatze bevorzugt große zusammenhängende, unzerschnittene und strukturreiche Wälder. Bei ihren Wanderungen und Streifzügen ist sie auf ausreichend Deckung angewiesen. So werden im Offenland ausgeräumte Ackerfluren mit wenigen Randstrukturen oder siedlungsnahe Bereiche gemieden. In zerschnittenen Landschaften ist die Wildkatze auf eine Vernetzung von Waldlebensräumen angewiesen. Zwischen benachbarten Waldrändern müssen genügend „Trittsteine“ oder lineare Leitstrukturen, wie z.B. Hecken, Sträucher, Feldgehölze, Gräben und Gewässersäume vorhanden sein, um Wanderungen, Austausch und Ausbreitung zu ermöglichen.

Die Ansprüche an Ausstattung, Größe und Vernetzung ihres Lebensraumes machen die Wildkatze zu einer geeigneten Zielart für den Wald-Biotopverbund. Parallel ist sie auch in der Waldnaturschutzkonzeption von Landesforstverwaltung als Waldzielart gelistet. Die Erhaltung und Entwicklung strukturreicher Wälder und Kulturlandschaften sind die wichtigsten Ziele, um die Wildkatzenpopulation zu sichern und deren Verbreitung zu gewährleisten. Diese Zielsetzung erhält und fördert viele weitere, seltene und unter Schutz stehende Tier- und Pflanzenarten, wie z.B. die Haselmaus und viele Fledermausarten.

Da sich das Wildkatzenvorkommen in Baden-Württemberg derzeit vor allem über die Oberrheinebene erstreckt, spielt das Markgräflerland eine zentrale Rolle für ihre Ausbreitung über die Vorbergzone in den Schwarzwald hinein. Maßnahmen für die Wiederherstellung und Sicherung des Biotopverbundes für gehölzgebundene Tierarten im intensiv bewirtschafteten Offenland sind daher zwingend erforderlich.

Bis 1912 galt die Europäische Wildkatze in Baden- Württemberg als ausgerottet. In den Jahren 2006 und 2007 konnte ihr Vorkommen über zwei Totfunde am Kaiserstuhl wieder bestätigt werden. Seit diesem Zeitpunkt wird durch ein Monitoring unter Federführung der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg das Verbreitungsgebiet mithilfe verschiedener Nachweismethoden landesweit untersucht und jährlich aktualisiert. Auch im MOBIL-Projektgebiet wurde die Wildkatze bis 2015 bereits vereinzelt nachgewiesen. Allerdings konnten vor Projektbeginn keine konkreten Aussagen zur Verbreitung gemacht werden. Mittlerweile liegen gesicherte Erkenntnisse über das Vorkommen im Markgräflerland vor. Von Ende Dezember 2015 bis Ende März 2016 wurde von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt und engagierten Jägerinnen und Jäger eine flächendeckende Erfassung von Wildkatzennachweisen mit Hilfe der Lockstockmethode durchgeführt. Ziel war es, aktuelle Erkenntnisse über das Vorkommen und über die Funktionalität der regionalen Korridore und der Wildtierkorridore des GWPs zu gewinnen.

Die Lockstockmethode ermöglicht es, genetisches Material der Wildkatze ohne Beeinträchtigung des Tieres zu gewinnen. Insgesamt wurden 317 Lockstöcke über das gesamte Projektgebiet verteilt aufgestellt. An 94 der 397 gesammelten Haarproben wurde die Wildkatze genetisch bestimmt. Mithilfe dieser Untersuchung konnten auch in Teilgebieten des Projektes neue Nachweise zum Vorkommen erbracht werden (vgl. Abb. rechts). Demnach nutzt die Wildkatze die Rheinauen des Markgräflerlands sowie die Vorbergzone des Schwarzwaldes als Lebensraum.

Die Funde in der Vorbergzone bestätigen die Ausbreitungstendenz der Wildkatze in Richtung Südschwarzwald. Diese Ausbreitung kann entweder über die Oberrheinebene von der Population in den Vogesen oder über den Hochrhein aus der Population des Schweizer Jura und Basellandes erfolgen. Um die Ausbreitung und den regelmäßigen Populationsaustausch der Wildkatze in der Region nachhaltig zu fördern, ist es erforderlich, dass die vorhandenen Korridorstrukturen und Trittsteine im Markgräflerland konsequent erhalten, aufgewertet oder neu entwickelt werden.

Die Kooperation mit der Jägerschaft hatte einen weiteren, sehr wichtigen Effekt. Durch die direkte Einbindung der Jagdausübungsberechtigten konnte das Biotopverbund-Projekt bei zusätzlichen Akteuren beworben und Kontakte geknüpft werden. Auf Hegeringveranstaltungen oder bei Geländebegängen vor Ort fand ein offener und integrativer Informationsaustausch statt, welcher über die gesamte Projektlaufzeit hinweg Bestand hatte. Die Jägerinnen und Jäger sind als Gebietskenner vor Ort direkt mit der Thematik Biotopverbund befasst und gut innerhalb ihrer Gemeinde vernetzt, damit sind sie auch Multiplikatoren für die Ziele und Anliegen des Projektes. Der Aufbau und die Pflege eines solchen Netzwerkes waren für den Erfolg des Querschnittprojektes Modellregion Biotopverbund MarkgräflerLand von großer Bedeutung.

Informationen zu Handlungsempfehlungen zum Schutz der Wildkatze für die Bereiche Jagd, Tierschutz, Verbund und Waldwirtschaft sind unter www.wildkatze-bw.de zu finden.